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Transvocale 2009

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Manfred Maurenbrecher & Band feat. Maik Göpel +
Ilja Schierbaum (Deutschland)

Ach, die Welt ist ungerecht. Wäre sie es nicht, würde ein Manfred Maurenbrecher mit seinen klugen Liedern das Berliner Olympiastadion füllen und nicht diese künstlerische Null Mario Barth. Tut er aber nicht, und deshalb muss er weiterhin in irgendwelchen Zügen quer durch die Republik reisen, um sich und seine Lieder auf Kleinkunstbühnen zu präsentieren.

Dabei ist der 59jährige nicht nur promoviert (1980 zum Thema Subjekt und Körper. Eine Studie zur Kulturkritik im Aufbau der Werke Hans Henny Jahnns, dargestellt an frühen Texten), sondern hat auch in der Liedermacherszene der Bundesrepublik, zumindest der alten, bedeutsame Beiträge geleistet. So schrieb er Texte für Spliff, Herman van Veen, Renan Demirkan, Veronika Fischer, Ulla Meinecke oder Katja Ebstein, Features für diverse Rundfunkanstalten, TV-Dreh­bü­cher, Theaterstücke, von rund 15 eigenen CDs und drei eigenen Büchern ganz zu schweigen. Im Mittwochsfazit (mit Bov Bjerg und Horst Evers) kommentiert er regelmäßig in Berlin die Lage, und mit Richard Wester und Georg Nuss­bau­mer hat er ein kongeniales Programm mit Texten des großen US-Ironikers Randy Newman entworfen.

Das alles klingt nach Qualität, ist es auch, und künstlerische Qualität ist in diesem unseren Lande nicht gerade mehr­heits­fä­hig. Das hat drastisch auch Sangeskollege Wolfgang Nie­de­cken (BAP) bestätigt: „Manfred ist einer der besten Texter in diesem unserem Lande. Wunderbare Bilder. Gut, Mau­ren­bre­cher hat keine Breitenwirkung, aber Scheiße ist noch lange nicht lecker, nur weil Millionen Fliegen sie fressen.“

Fügen wir noch einige Zitate hinzu:

„So gar nichts Besserwisserisches, Hochgezüchtetes oder Raffiniertes haftet diesem schrulligen Mann an, wenn er schwitzend ins Klavier fasst, als müsse er die Töne von den Tasten reißen. Dabei sind seine Songs literarisch, sie stecken voller Kraft und Ausdruck, nähern sich dem Hörer vorsichtig, um dann, einmal angekommen, um so nachhaltiger zu treffen. Wie kein anderer hierzulande schafft Manfred Maurenbrecher Platz zwischen den Zeilen.“

(Thommie Bayer, Autor und Musiker)

„Manfred Maurenbrecher ist ein Gigant… Wir reden hier von einem nicht übermäßig sportlichen Mann, der einen der wei­tes­ten Langstreckenläufe in der Geschichte des deutschen Liedes unternimmt, ohne dass ein Ende abzusehen wäre. Hinter der Ziellinie, wenn das Rennen vorbei ist, über die Jahre gerechnet, die glücklichen Herzen zusammengenommen, den Faktor Charakter gebührend hineingerechnet, ist Manfred Maurenbrecher bestimmt der berühmteste Künstler unserer Zeit. Vollkommen frappiert, gänzlich überwältigt und ehr­für­chtig erstarrt stehen wir vor dem Liederberg, den dieser Mann mit achtlosen Händen in der Landschaft auftürmt.“

(Jakob Hein)

„Manfred Maurenbrecher ist keine Randerscheinung des deut­schen Showbusiness, sondern ein Exzentriker ohne Al­lüren, ein liebevoller Priester der Gegenkultur, dem die Kunst und das Sein wichtiger sind als die Vermarktung.“

(Märkische All­ge­mei­ne)

„Der promovierte Philologe Dr. Manfred Maurenbrecher ver­öf­fent­licht seit rund 25 Jahren eine phantastische Produktion nach der anderen, schrammt dabei stets mit voller Wucht und Überzeugung am Mainstream vorbei, begeistert aber ein ums andere Mal genau jene Spezies von Mu­sik­freun­den, die auch und besonders zwischen den Zeilen zu hören in der Lage sind, die mal einen freien Abend nur dazu nutzen, sich wirklich unabdingbar in eine LP oder CD hi­nein­zu­schlei­chen, Menschen, die sich … ‚noch an nichts gewöhnt’ haben… Manfred Maurenbrecher ist und bleibt zeitlos – ein Zeitzeuge und Zeitgeistverächter in einem.“

(Holger Stürenburg, SMAGO)

 

 Manfred Maurenbrecher, Gesang, Klavier

Marco Ponce Kärgel, Gitarre

Jule Schwarz, Geige

Andreas Albrecht, Perkussion

 

Zu seinem Konzert bei der transVOCALE bringt Manfred Maurenbrecher zwei hoffnungsvolle Talente der deutschen Liederszene mit.

Da ist zunächst Ilja Schierbaum aus Berlin. Er arbeitet auch als Schauspieler; als Musiker wurde er mit seiner früheren Band Schrottfisch bekannt. Mit seinen schrägen Geschichten über Gegensätze und die Absurditäten des Alltags erspielte er sich im Laufe der Jahre eine ständig wachsende Fangemeinde. „Ilja Schierbaum gehört zu den Entdeckungen der letzten Jahre, weil er das Genre nicht nur zur Selbstbespiegelung nutzt“, meinte die FAZ. Einen „Wühltisch der großen Gefühle!“ entdeckte die Berliner Morgenpost in seinen zwischen Chanson, Folk und Pop angesiedelten Liedern. Und Kai Wingenfelder von der Rockband Fury in the Slaughterhouse fand in Schierbaum einen „Künstler, der mit seinen Songs etwas zu sagen hat.“ Was auch Juroren fanden: Ilja Schierbaum hat nämlich den renommierten John Lennon Talent Award ebenso gewonnen wie den Rio Reiser Preis.

Das andere Talent ist schon ein Mann in besten Jahren; dennoch tut man Maik Göpel keineswegs unrecht, wenn man ihn eher noch als Geheimtipp in der deutschen Liedermacherszene bezeichnet. Schließlich hat der Gitarrist und Sänger aus Laucha (Thüringen) lange pausiert und datiert in seinen Lebensstationen erst im Jahr 2005 einen „musikalischen Neuanfang“. Inhaltlich stellt sich Maik Göpel so vor: „Als Kleinanzeige würde man es vielleicht so formulieren: Gut erhaltener Mittvierziger singt augenzwinkernd-selbstironisch über die Tücken des täglichen Miteinanders, begutachtet Schwiegersöhne, rauchende Frauen und verstörte Kanarienvögel. Aber das ist wieder nur die halbe Wahrheit. Von A wie Anfall bis Z wie Zungenpiercing muss man auf einiges gefasst sein: Heiter bis kratzbürstig, von Poesie bis zum Galgenhumor; man wird sich manchmal ertappt fühlen in den Liedern wie du und ich (Titel der aktuellen CD). Einfühlsam von Silvia Göpel am Akkordeon begleitet, kann man an den Freuden und Leiden des Midlife-Göpels teilhaben.“