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Transvocale 2009

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Dotschy Reinhardt (Deutschland)

„Ich hatte eine perfekte Kindheit“, sagt Dotschy Reinhardt. „Ich hatte immer Musik in meinem natürlichen Umfeld. Sie war einfach da wie das Reden und das Essen.“

Dotschy Reinhardt ist eine Sinteza, gehört also zu den (deutschen) Sintis; zum französischen Zweig ihres Stamm­baums gehört die Gitarren-Jazz-Legende Django Reinhardt. Auch Dotschy Reinhardt spielt Gitarre, brilliert aber vor allem als Sängerin. So interpretiert sie Fremdtitel wie Days of Wine and Roses von Henri Mancini oder Last Tango in Paris von Gato Barbieri und Dory Previn ebenso wie eigene Stücke oder Songs, zu denen sie den Text geschrieben hat (bspw. Djangology von Django Reinhardt). Dabei bleibt sie musikalisch keinesfalls im klassischen Sinti-Idiom verhaftet: „Wenn ich Stücke schreibe, sind sie anfangs immer Bossa Nova“, gibt sie lächelnd zu. „Das klappt eigentlich am besten. Und dann entwickeln sich daraus Balladen, Swing-Songs oder auch mal ein funky Blues à la Donald Fagen.“

Und fährt fort: „Es ist einfach Jazz, aber auf meine Art. Dotschy-Style. Ich kann mich mit jedem Land und jeder Musikrichtung identifizieren, die Elemente hat, die ich in mir trage, und das sind nicht wenige. Das spiegelt meine Musik, denke ich, wider. Oder hoffe ich zumindest. Und das ist auch das, was sie vielleicht einzigartig macht, diese Mischung aus Gipsy, also meiner Herkunft, aber auch die Liebe zur brasilianischen Musik, zum Jazz, zum Pop und Singer-Songwritertum."

Die Lieder der Dotschy Reinhardt, die sie auf Romanes und Englisch singt, handeln von der Sehnsucht nach Freiheit, aber: „Ich weiß wirklich, dass das Leben schön sein kann, und davon handeln auch sehr viele meiner Texte."

Dotschy Reinhardt ist in der Nähe von Ravensburg zur Welt gekommen. Ihre Mutter war Hausfrau, der Vater Gei­gen­hän­dler, der auf Reisen Instrumente kaufte und verkaufte. Die Liebe zur Musik entdeckte Dotschy Reinhardt früh: Schon als Fünfjährige stand sie auf der Bühne: „Mein Großvater war Prediger, Wanderprediger, der dann auch gesungen hat in der Mission sozusagen. Das war so ein kleines Zelt, mit dem die Sinti von Stadt zu Stadt gezogen sind, um das Evangelium zu predigen. Und da gab es auch musikalische Untermalung. Bis mich dann mein Großvater mit auf die Bühne genommen hat, um im Gottesdienst eben ein Lied zu singen.“ Später nahm sie an Schlagerwettbewerben teil und trat bei Horst Jankowskis Jazz-Abenden auf, zusammen mit Helmut Zacharias, Bill Ramsey und Caterina Valente. Gesungen hat sie Stücke von Cole Porter und ihrer Cousine Kitty Winter. Als Teenagerin nahm sie dann Gesangs- und Gitarrenunterricht; später tourte sie durch Clubs und sang auf internationalen Jazz-Festivals.

Dotschy Reinhardt will ihr Publikum neugierig machen, neugierig auf die Kultur der Sinti. Dazu singt sie, dazu hat sie 2008 auch ein Buch veröffentlicht: Gypsy – Die Geschichte einer großen Sinti-Familie (Scherz Verlag) erzählt den Lesern von den Sinti, von der Sprache Romanes und von den wenigen Höhen und vielen Tiefen, die diesem Volk in den sechs Jahrhunderten, die es nun in Deutschland lebt, widerfahren sind. Vom Universum der Zigeuner, wie es einmal war und wie es heute ist, gleich um die Ecke, unerkannt, irgendwo in Deutschland und überall sonst in Europa, wo einer diese große, schillernde Welt im Herzen trägt. Wo man die Heimat nicht in einem Staat oder in einer Landschaft, sondern in der Welt der Musik, in der eigenen Überlieferung, in ihrer Geschichte, ihrer reichen Kultur sucht. In sich selbst. Und wo einer mit seiner Gitarre und seiner Stimme von dieser Welt erzählen kann.

 

Dotschy Reinhardt – Gesang

Ulli Bartel – Geige, Mandoline

Alexej Wagner Gitarre

Scott White Kontrabass

Armando Chuh Perkussion