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Transvocale 2009

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Bolschewistische Kurkapelle Schwarz-Rot (Deutschland)

Diese Band ist eine Provokation. Und hinterlässt den einen oder an­de­ren Besucher sicherlich ratlos: Ist das ernst gemeint? Parodie? Ironie? Spielen sie auf zur Weltrevolution? Hängen sie immer noch dem (ebenso gut gemeinten wie fürchterlich vergeigten) Sozialismus des 20. Jahrhunderts nach?

Fragen darf man stellen, Antworten sollte man aber lieber nicht erwarten. Denn der Bolschewistisches Kurkapelle geht es um Verunsicherung, lustvolle Anarchie und Haltung. Die Cover ihrer CDs gestalten sie leger im Dekor mar­xis­tisch-le­ni­nis­ti­scher Gesamtausgaben. Die Debütplatte gleich Werke zu nennen, verweist auf starkes Selbstbewusstsein. Es folgten Tänze, Kurkonzerte und als bislang letzte Kämpfe. Auch sie vereint wieder antagonistisches Liedgut: Brecht/Eisler, Ton Steine Scherben, Rio Reiser, aber auch Foyer des Arts und die Mediengruppe Telekommander. Als Krönung wird das Kom­mu­nis­ti­sche Manifest be-hip-hopt – die BKK bläst Pop und Pro­pa­gan­da den Marsch! Als wichtige Einflüsse geben sie an: Alkohol, Hanns Eisler, Schostakowitsch, Rio Reiser, Megapolis, Heiner Goebbels, Das Sogenannte Linksradikale Blasorchester, Max Goldt, Kurt Cobain und die russische Seele. Nasdarowje!

Die Bolschewistisches Kurkapelle wurde noch zu DDR-Zeiten sel. gegründet, 1986. Urkonzept war, das proletarische Lied wieder jenseits der DDR-Propaganda hörbar zu machen. Und so spielt das verdiente Ensemble des revolutionären Volks­mu­sik-Kunst seit 23 Jahren einen intelligenten, po­li­ti­schen Blas-Punk-Pop voll animalischer Kraft. Seine Interpretationen von Jimi Hendrix, Rio Reiser oder ABBA zeugen von un­ge­bro­che­nem revolutionären Mut. Die Moderatoren der Kapelle versuchen, praktische Handlungsanweisungen für einen trostlosen Alltag zu geben: Gebläse und Glauben an das Richtige.

Das Blas-Kommando ist strikt hierarchisch organisiert. Die Führung schreibt Jahresbriefe an die Basis und erwartet wohlwollenden Gehorsam. Dafür gibt es in der Band aber auch Frauen-, Schwulen- und Wessi-Beauftragte. Wenige Musiker blieben für immer, die Mitglieder wechselten immer wieder. Heute schmettert die vierte Generation von jungen Musikern am Blech samt Bass, Drums und Elektrogitarren. Und in­zwi­schen vollziehen auch Musiker aus allen Teilen der Bun­des­re­pu­blik hier die innere Einheit. Die ca. 20 Mitglieder betreiben akademische Berufe im sozialen Milieu - der Rest Stu­di­en­ab­bre­cher. Keiner ist professioneller Musiker, aber alle haben eine musikalische Ausbildung.

Die Bolschewistische Kurkapelle ist die politischste Blä­ser­ban­de Deutschlands. Aber auch die lustigste. Und lässigste - ein Spielmannszug der Geschichte. Herolde des Ungehorsams. Geblasene Anarchie zwischen Ernst und Wahnsinn!