
Als die rumänischen Turbobläser der Fanfare Ciocarlia für ihr jüngstes Album ins Studio gingen, luden sie dazu eine Reihe von Gästen ein – Sänger und Sängerinnen und einige herausragende Instrumentalisten. Herausgekommen ist eine großartige CD „Gypsy Queens and Kings“ und eine Projektband, die in Konzerten zu erleben ist. So treffen zur Eröffnung der transVOCALE 2007 die Männer der Fanfare Ciocarlia auf die große Diva Esma Redzepova aus Mazedonien, auf den Sänger Jony Iliev aus Bulgarien und auf die beiden französischen Gitanos Kaloome aus Perpignan. Zweieinhalb Stunden ausufernder Emotionen: Melancholie und feurige Rhythmen, episches Drama und tiefe Leidenschaft, Tanz, Gesang, virtuose Bläsersätze und große Gesten. 18 Protagonisten aus vier Ländern zaubern in einer ausgelassenen Party des Lebens das ganze Spektrum der Musik- und Gefühlswelt der Roma auf die Bühne.
Justyna Steczkowska überrascht mit einer Stimme über ganze vier Oktaven und erfreut dazu den Zuschauer mit einem Bühnenauftritt voller Sexappeal. Nach ihrem großen kommerziellen Erfolg der ersten Platten begann sie sich mit anspruchsvollerer Musik zu beschäftigen. Ihre Kompositionen, die von stark ethnischen Elementen inspiriert sind, basieren auf Texten von William Shakespeare, Cyprian Kamil Norwid und Maria Pawlikowska-Jasnorzewska. Das jüngste Projekt der Sängerin „Femme Fatale“ widmet sich bekannten Liedern aus früheren Zeiten, die sie neu arrangiert hat.
…was kann Dorota nicht? Sie singt hinreißend Jazz, komponiert, textet, ist Liedermacherin und vor allem spielt sie Geige und das zusammen mit Leuten wie Tomasz Stańko, Nigel Kennedy, Cesaria Evora, Anna Maria Jopek und Grzegorz Turnau. Gemeinsame Veröffentlichungen sind bereits erschienen. In ihren Songs verbindet sie verschiedene Stile, wobei sie gerne auch auf Funk, R’n’B oder Pop zurückgreift. Dennoch sind ihre Kompositionen und Interpretationen immer von einer ganz eigenen, sehr geschmackvollen Charakteristik geprägt.
„Musikalisches Kabarett“ oder „Liedermacher der extremsten Art“? Strom und Wasser (Liederbestenlisten-Förderpreisträger 2007) präsentieren eine ausgeprägt schrille Live-Show. Der Verzicht auf E-Gitarren, die Improvisationsfreude und der kabarettistische Biss machen ihren Erfolg unhabhängig von Status und Alter der Zuschauer. Ihre Musik ist wild, ruhelos und zärtlich und lässt viel Raum für Textverständnis. „Heinz Ratz … gehört sicher zu den stärksten und eigentümlichsten Talenten der jüngeren Generation. Ich freue mich über einen Künstler, der über sich selbst nachdenkt, der Widerspruchsgeist, künstlerische Unbestechlichkeit und eine beinahe anarchische Lust am Provozieren mit großer Sensibilität, ja Verwundbarkeit vereint …“ urteilte Konstantin Wecker!
Das breite Publikum erschloss sich Ania Dąbrowska mit ihrem Album „Samotność po zmierzchu” (Einsamkeit nach Abenddämmerung), das ebenso emotional wie innovativ war, so dass es trotz kontroverser Musikkritik die Herzen vieler sensibler, und für subtile Musik empfindliche, Zuhörer erreichte. Sie hält sich für einen glücklichen Menschen, schreibt melancholische und nostalgische Lieder, die der „alternativen Musik” zugeschrieben werden können, obwohl es im Grunde Popsongs sind. Ihr eigener Musikstil wird auf wunderbare Weise von ihrer warmen, gedämpften und manchmal etwas rauen Stimme getragen, die ideal zu den von ihr präsentierten Stücken passt.
Drei auf der Bühne (meistens), einer davor, kurzbehost, ein Megaphon in der Hand, ein Kinderschlagzeug und einen ramponierten Kontrabass im Einsatz, dazu eine Melodika, turnen die vier durch Publikum und 40 Jahre Popgeschichte. Kein Klassiker ist ihnen zu heilig, als dass er nicht akrobatisch verrappt werden könnte, und mancher Song wird dadurch erstmals überhaupt anhörbar. Zweifellos sind Sirqus Alfon eine der besten Straßentheater-Gruppen der Welt. Seit 1997 sind sie in unzähligen Shows auf Straßen und Flohmärkten, Cafés und Clubs sowie diversen Festival-Auftritten in Europa und Südamerika unterwegs. Sprach- oder Verständigungsprobleme gibt es keine: Was zu sagen ist wird auf Gibberich erklärt, einer Fantasiesprache, die auch der ungeübte Zuhörer sofort versteht und alles auf den Punkt bringt. So richtig kann man nicht in Worte fassen, was man da sieht und hört. Wack-Millenium-Electric-Boogie-Toy-Drum-Street-Humor-Music-Stylee-Flava nennen das die Vier. Warum sagen sie das nicht gleich …?
„Edson Cordeiros Stimme klingt, als wäre sie nicht von dieser Welt“, schrieb die Jury zur Latin-Grammy-Nominierung 2006. Weltweit wird der Brasilianer als Stimmwunder, als humorvoller Entertainer und großer Sänger gefeiert. Das Spektrum seiner Musik: brasilianische Volksund Popmusik und europäische Klassik, spanischer Flamenco und amerikanischer Pop – nichts ist ihm fremd. Er transportiert mit seinen Stimmbändern die Lieder in Lagen, die gerne Assoziationen zu sakralen Höhen hervorrufen. Sein erster Auftritt im brasilianischen Fernsehen mit der Arie der „Königin der Nacht“ aus Mozarts „Zauberflöte“ machte ihn im ganzen Land populär. Standing ovations bei Jazzfestivals, gemeinsame Konzerte mit den Wiener Philharmonikern sowie Auftritte im Fernsehen (u. a. bei Harald Schmidt und Roger Willemsen) machten Edson Cordeiro auch in Deutschland bekannt. „Mit atemloser Stille lauscht man einem einzigartigen Sänger, als stünde man dem leibhaftigen achten Weltwunder gegenüber.“ (Berliner Morgenpost)
Bobo, Sängerin der Band Bobo In White Wooden Houses, fing vor wenigen Jahren an, Lieder, die sie aus ihrer Jugend kannte, zusammenzutragen. In Sebastian Herzfeld fand sie einen Gleichgesinnten, der einige der Texte vertonte, andere neu arrangierte. „Lieder von Liebe und Tod“ sind Lieder aus der Zeit der Deutschen Romantik, der Zeit von Eichendorff und Goethe. Herzfeld hat den Liedern einen neuen Klangkosmos erschlossen, der souverän und eigenständig zwischen klassischem Kunst- und traditionellem Volkslied, zwischen Jazzimprovisation und Pop changiert. Die Besetzung Klavier, Bassklarinette und Saxofon geben den Arrangements hier ein düster-mystisches, da ein kräftig-tanzbares Gewand. Dazu Bobos Stimme, mal leidend und fast entrückt, dann wieder sehr diesseitig und fest verwurzelt. Visuals ergänzen das Konzert zu einem optisch-akustischen Gesamtwerk.
Musizieren und Geschichtenerzählen ist im westafrikanischen Burkina Faso seit Menschengedenken ein Familienberuf, Griot sind ihr traditionelles Liedgut. Die Sängerin Fatoumato Dembélé ist eine der besten Vertreterinnen der alten Gesangskunst und tritt bei diesem Konzert gemeinsam mit dem Fusionprojekt Percussion Mania auf. Dabei wird sie von einem der weltbesten Balafon Virtuosen begleitet – Mamdou Diabate. Wie auch Fatoumato Dembélé entstammt er einer der führenden Musikerfamilien Burkina Fasos. Neben dem Balafon, das er im Spannungsfeld zwischen traditioneller und moderner Musik interpretiert, wird er auch die Talking drum und die Jembe spielen.
Ist das Chanson? Ist das Pop? Folk? Von allem ein bisschen – und noch einiges mehr. Ska, Klezmer, Rock und Jazz zum Beispiel, Musik aus Osteuropa, vor allem die der Roma. Und VIEL Spaß. Gegründet wurde das Oktett 1996 in Yvelines (Normandie) als Straßentheatergruppe – für einen Sommer, um eine musikalische Komödie aufzuführen. Der Sommer ging, die Gruppe blieb. Die Texte nehmen Anekdoten des Alltags auf, sind lyrische Fantasien, enthalten aber manchmal auch politische, sozialkritische Töne. Insgesamt überwiegt aber der Humor, im Text wie in der Musik, und vor allem in der Präsentation. Keine klassische Satire, aber feines Augenzwinkern und eine überbordende Spielfreude, die beim Publikum unweigerlich gute Laune hervorzaubert. Immer noch mehr
Straßentheater als Konzert, eine Mischung aus marching band und Zirkuskapelle – musikalische Komödie im besten Wortsinne.
Seit zwei Jahrzehnten sitzen Dieter Beckert und Jürgen B. Wolff unter dem Sonnenschirm, kämpfen für Schatten und coole Köpfe, und es besteht kein kühler Grund, nachzulassen. Mit brachialromantischem Blick betrachten sie das, was man Leben nennt. Das ist auch im Jahr des Glückschweins nicht anders. Wie sollte es auch? Obwohl man sich schon fragen kann, welche immergrüne Hoffnung uns tagtäglich ins Tretrad treibt. Aber vorher gibt es noch ganz Praktisches zu klären: Wann kommt endlich der Überholstreifen neben der linken Spur und die Schwangerschaft aus der Tube? Kann Fidel Castro mit Zuckerrohrbypass noch 50 Jahre weiterrauchen? Sind denn wirklich schon alle Achselhöhlen tätowiert und macht Ikea den Bausatz des Pythagoras zum Verkaufshit? Alles Fragen, die das Duo Sonnenschirm eigens für seine Antworten formuliert hat.
Im Jahre 2005 feierte eine der kreativsten und arbeitswütigsten Bands der polnischen Musikgeschichte ihr 20-jähriges Bestehen – VOO VOO. Eine Band, die unverändert „den Puls dieser Welt” in sich trägt. In den Aufnahmen von VOO VOO findet man verschiedene musikalische Stile, die heute bereits Klassiker sind: Djivan Gasparyan, Jan Garbarek, Tom Waits, Paul Simon, The Beatles, James Brown, Robert Fripp, Nusrat Fateh Ali Khan, John McLaughlin, Jimi Hendrix und John Coltrane. Aber trotz der vielen musikalischen Anleihen ist die Welt von VOO VOO eine ganz eigene und besondere. Denn diese anspruchvollen Musikwerke – die dennoch immer in einer für alle zugänglichen Sprache verfasst sind – sind nach wie vor Inspiration für die künstlerische Suche nach einer Musik, die zeitgenössisch sein will.
Klezmer, die Hochzeits- und Festmusik der osteuropäischen Juden, ist heute weltweit eine der populärsten (traditionellen) Musikstile. Doch immer wieder gibt es Bands, die dem traditionellen Gepräge neue Nuancen bescheren. Bei den Klingonen ist das kein Wunder, gehören die sieben Herren doch zu Philadelphias bekanntesten Jazz-, Funk- und Dixie-Musikern. Gemeinsam haben sie die uralten Klezmer-Klänge mit amerikanischen Neuerungen (vor allem aus dem Jazz), Liedern der sozialistischen jüdischen Arbeiterbewegung der letzten Jahrhundertwende und Fackelliedern nach der Art von Kurt Weill gemischt und das Ganze dann auf stellare Geschwindigkeit gebracht. Ihre Konzerte beweisen, dass sich jeder Mensch Gott näher fühlen und dabei jede Menge Spaß haben kann: Sie enden regelmäßig in einem Massentanz im Saal… Beim Konzert bei der transVOCALE 2007 kommt es zu einem ganz besonderen Zusammentreffen: Klingon Klez treten gemeinsam mit der Berliner Sängerin und Schauspielerin Jalda Rebling auf. Sie ist ordinierte jüdische Kantorin (eine von zweien in Deutschland) und steht in der Tradition der Maggidim, der Wanderprediger, die, von Ort zu Ort ziehend, jüdisches Wissen mit Geschichten und Liedern lehren.
Michael Schiefel „hat eine Sinnlichkeit im Ausdruck, die fast schon pornografisch ist.“ Der Kritiker der Wiener Jazz Zeit steht keineswegs alleine mit seinen Elogen auf den Berliner Sänger, der als Solist und auch als Frontmann von Thärichens Tentett zunehmend für Furore sorgt. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung befand: „Michael Schiefel verfügt als Sänger über die Artikulationsfähigkeit einer hellen Frauenstimme und den rauchigen Farbgebungen der großen ‚Crooner’ Frank Sinatra und Dean Martin. Einen solchen Jazzsänger hat Deutschland vielleicht noch nie gehabt. Die lässige Präsenz, die gutgelaunte Gratwanderung zwischen Schmelz und Schmalz, all die feinnervigen Zwiegespräche mit Posaune und Baritonsaxophon machen Schiefels Stimme zum Resonanzboden eines augenblicksbewussten Traditionsverständnisses.“ Um diese Stimme packe man neun hervorragende Musiker – und herauskommt „das kompositorisch Gelungenste, arrangementtechnisch Ausgefeilteste und in der Präsentation Humorvollste, was derzeit in Deutschland von einer größeren Besetzung kommt.“ (Süddeutsche Zeitung)